Foto von einem Netzwerkabend in Leverkusen: rechts Dr.-Ing. Suat Akyol, links der Interim-Kollege Matthias Fitzner, der Hintergrund ist bewusst unscharf gehalten.
Beim Sommer-Special Vitamin B im Probierwerk Leverkusen: rechts ich, links der Interim-Kollege Matthias Fitzner.

Über KI wird derzeit fast nur in großen Schlagzeilen gesprochen. An diesem Abend habe ich das Gegenteil erlebt. Kein Panel, keine Bühne, kein Heilsversprechen. Ein Raum voller Unternehmer bei einem Getränk. Der Anlass war der Netzwerkabend Probierchen x Die Werkstadt, das Sommer-Special mit dem passenden Titel Vitamin B, im Probierwerk der Wirtschaftsförderung Leverkusen.

Das Probierwerk ist das Gründer- und Innovationszentrum der Stadt: Coworking, Werkstatt, Veranstaltungen. Genau die Art Ort, an dem sich der regionale Mittelstand trifft. Und weil ich abends gern zuhöre, bevor ich rede, habe ich vor allem eines mitgenommen: eine Beobachtung, die mich freut.

Der Mittelstand wartet nicht auf die KI-Debatte

In den Medien pendelt das Thema KI zwischen zwei Extremen: dem großen Versprechen und der großen Angst. Vor Ort in Leverkusen ist davon wenig zu spüren. Hier wird KI nicht diskutiert, sie wird ausprobiert. Die Wirtschaftsförderung fährt eigene Formate, vom KI-Stammtisch über Impulsabende bis zu den Digital Days. Es gibt ein Publikum dafür, und es ist neugierig statt ängstlich.

Das ist bemerkenswerter, als es klingt. Während große Konzerne ganze Abteilungen umbauen, organisiert sich der Mittelstand hier selbst. Er sucht keine fertige Antwort, sondern den Austausch darüber, was im eigenen Betrieb wirklich hilft. Das ist der gesunde Zugang zu einer Technologie, die man nicht kaufen, sondern in die eigene Arbeit einbauen muss.

Der Hebel sitzt im Raum, nicht im Tool

Ich sage seit Langem, dass KI in Unternehmen selten an der Technik scheitert, sondern an der Umsetzung. An diesem Abend habe ich die Kehrseite derselben Erkenntnis gesehen. Wenn Umsetzung der Engpass ist, dann sind Menschen der Hebel. Und Menschen trifft man nicht auf einer Plattform, sondern im Gespräch.

Genau das ist an dem Abend passiert. Ein Interim-Kollege, mit dem sich sofort ein fachlicher Faden ergab. Eine Gründungsberatung, die täglich mit jungen Unternehmen an genau den Fragen arbeitet, um die es geht. Die Gastgeber des Netzwerks DieWerkstadt, die aus Begegnungen Zusammenarbeit machen. Jeder dieser Fäden ist ein Mensch, kein Kanal.

Wer KI in den Mittelstand bringen will, muss dorthin, wo die Entscheider stehen. Nicht auf die nächste Plattform, sondern in den Raum.

Das deckt sich mit meiner Arbeit als Interim Manager. Der Wert entsteht nicht dadurch, dass man ein weiteres Werkzeug einführt, sondern dadurch, dass jemand die Umsetzung verantwortet und dabei bleibt, bis ein Ergebnis sichtbar ist. Das beginnt mit Vertrauen, und Vertrauen beginnt im persönlichen Kontakt.

Was ich mitnehme

Mein Dank gilt der Wirtschaftsförderung Leverkusen und dem Team des Probierwerks für die Einladung und den Abend. Ein Format, das Menschen zusammenbringt, statt sie zu beschallen, ist mehr wert, als es auf der Einladung aussieht.

Der rote Faden bleibt derselbe, den ich in fast jedem Mandat sehe. Der Engpass ist selten die Technik. Er liegt in der Orientierung, in der Umsetzung und in den Beziehungen, über die Umsetzung überhaupt erst gelingt. Vitamin B ist dafür kein nettes Beiwerk. Es ist die Grundlage.

Häufige Fragen

Was ist das Probierwerk in Leverkusen?

Das Probierwerk ist das Gründer- und Innovationszentrum der Wirtschaftsförderung Leverkusen, eröffnet 2019. Es bietet Coworking, eine Werkstatt und Veranstaltungen und ist ein Treffpunkt für Gründer, Startups und den regionalen Mittelstand.

Was bedeutet Vitamin B bei einem Netzwerkabend?

Vitamin B steht umgangssprachlich für Beziehungen und persönliche Kontakte. Beim Sommer-Special des Probierchens war es das Motto des Abends: der Fokus lag bewusst auf echtem Austausch und dem Aufbau tragfähiger Verbindungen statt auf einem Vortragsprogramm.

Wie weit ist der Mittelstand bei KI wirklich?

Die Technik ist längst verfügbar und wird vielerorts privat genutzt. Woran es hakt, ist die Verankerung in Abläufen und Kultur. In Regionen wie Leverkusen zeigt sich zugleich ein aktives, pragmatisches Interesse: eigene Formate wie KI-Stammtische und Digital Days belegen, dass der Mittelstand das Thema selbst in die Hand nimmt.

Warum sind persönliche Netzwerke für KI-Projekte wichtig?

Weil KI in Unternehmen an der Umsetzung entschieden wird, nicht am Modell. Umsetzung braucht Vertrauen, gemeinsame Sprache und Menschen, die Verantwortung übernehmen. Diese Grundlagen entstehen im direkten Gespräch, nicht über anonyme Kanäle.

Was macht ein Interim Manager mit KI-Bezug?

Er übernimmt operative Umsetzungsverantwortung auf Zeit. Statt ein weiteres Werkzeug einzuführen, ordnet er zunächst das vorhandene Wissen und die Abläufe, gestaltet Prozesse neu und bleibt dabei, bis ein messbares Ergebnis sichtbar ist. Erst ordnen, dann automatisieren.